Jun 26 2007

Vanguard: Saga of Heroes – Crash im Käfertal 1

Tag: MMOG, GamingChris @ 09:28

Auf einem Höhepunkt meiner Post-Burning-Crusade-Langeweile Ende Januar 2007 – später sollte es ja noch viel schlimmer werden, was man aber damals ja noch nicht wusste – stolperte ich über diese Werbung inhaltliche Zusammenfassung auf der Gamona-Seite zu einem mir bis dato völlig unbekannten Spiel namens “Vanguard: Saga of Heroes”. Fett markiert sind die Signalworte, die bei mir zündeten:

Vanguard: Saga of Heroes verspricht Spielspaß für eine breitgefächerte Anzahl an Spielertypen ohne dabei auf eine große Gesamtmasse an Spielern zu zählen. Der Fokus liegt klar auf der Spieltiefe und dem Spielspaß. Wegen des Massenvertriebs haben die beiden Sigil-Köpfe Brad McQuaid und Jeff Buttler bereits 2001 Everquest 1 verlassen.

Grundsätzlich versucht man bei Sigil, die Herausforderung zurück in das MMO zu bringen. Die großen Ziele dieses Spieles liegen nicht im schnellen Leveln, großen Schätzen und vielem Geld. Sie liegen dafür versteckt in der Erkundung einer fremden Höhle, dem Lösen einer Aufgabe oder dem taktisch-versierten Kampf gegen die Bedrohung eines Dorfes. Dem Charakter wird eine weite Welt angeboten dessen Horizont noch lange keine Grenze markiert.”

Das klang zu schön um wahr zu sein. Sollte es tatsächlich ein Spiel geben, das von vorneherein designt wurde, um meinen Ansprüchen an ein MMOG und eine kleine aber feine Community zu genügen? Ein Spiel ohne Raidzwang und mit allen Dingen, die WoW immer nur versprochen hatte? Ich rührte die Werbetrommel bei dem Kandidaten, von dem ich beim Elysion wusste, dass er zumindest zum damaligen Zeitpunkt meine Langeweile und Enttäuschung im Brennenden Kreuzzug teilte: Indiana Drops. Einen Versuch war es wert und wir starteten mit der erschienenen englischen Version ins große Abenteuer, das uns dazu aufforderte “set yourself free” als neues Lebensmotto zu begreifen. Die Bedeutung wurde noch früh genug deutlich…

“Endlich mal böse sein”

Man wählte Goblin und startete auf der Insel “Kojan”, Heimat der Goblins und Orks und eines von vielleicht 20 Startgebieten. Doch ein einleitendes Intro, das uns eine Grundmotivation unserer gewählten Rasse vermittelt: Fehlanzeige. Genau wie der Charakterauswahlschirm, der war wohl auch noch nicht fertig und sah entsprechend für alle Rassen und Klassen gleich aus. Immerhin herrschte eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten; auch was die individuelle Ausgestaltung des eigenen Avatars angeht, konnte man über gefühlte 234 Schieberegler von Zehennägeln über Genitalien bis zur Ohrenschmalzfarbe stufenlose Einstellungen vornehmen. So verbrachte ich da einen ganzen Abend, um meinen individuellen zähnefletschenden Bloodmage (eine Heilerklasse!) namens Tiggo Meltrius zusammenzubauen. V:SoH griff hier den Zeitgeist kosmetischer Operation schon bei der Generierung auf, so dass auch eine Probegnomklerikerin namens Conina mit riesigen Brüsten möglich war, unglaubliche Mengen Geld für späteres Pimpen in diesem Bereich bleibt bei diesem Spiel also von Anfang an gespart. Ich gestehe, mit der Fülle der Auswahlmöglichkeiten überfordert gewesen zu sein. Man ist ja schließlich zwei Jahre lang nur drei Gesichter, fünf Frisuren und zweieinhalb Rassen und Klassen gewohnt, so dass man in seiner Raidgruppe rein statistisch immer mindestens zwei Spieler hatte, die genauso aussahen wie man selbst…ein völlig neues Verständnis von Corporate Identity. Man könnte es auch ein Armutszeugnis nennen, das es ein millionenschwerer Hersteller nicht schafft, in zwei Jahren und einem gehypten Addon ein paar neue Charaktermodelle einzupflegen…

“Grafik, hui…aber”

Aber zurück zum Feldversuch in der Heldensage: Man startete also auf Kojan als Goblin an Bord eines Sklavenschiffs irgendeines feindlichen Orkclans. Für einen World of Fastfoodler (vulgo:WoWler) ein Kulturschock: Wie viele Polygone hier benutzt werden! Hatte die grafische Schottenzeit endlich ein Ende? Doch oh weh…das ruckelt ja wie die Sau (*Einstellungen runterschraub*)…wah, da wirds deutlich hässlicher aber immer noch eine Weitsicht und ein Detailgrad, der als WoF-Opfer das Tragen von Sonnenbrillen zur Pflicht machte: Unreal2-Engine in einem MMOG, es macht allenthalben *blingbling*. Leider machte mein Blutmagier mit seinen Animationen nicht so viel *blingbling*, offensichtlich trug er unter seiner Kutte ein T-Shirt mit der Aufschrift “Brot statt Böller”, naja, die Animationen sind wohl noch nicht fertig…also hakelte man sich so durch die ersten Quests, lernte die umfangreiche Story und die Begrenztheit der eigenen Englischkenntnisse kennen. Hui, schon auf Level 3 ging mein Blutmagier da bei einigen Quests gepflegt zu Boden, bis ich auf die Idee kam, alle bereits vorhandenen Fähigkeiten in den Kämpfen aufeinander abgestimmt einzusetzen: tolle Sache, so ein taktisches Kampfsystem mit Blutpunkten, Komboattacken und Finishern. Als altgedienter Frostmagier, der nur drei Tasten zum Leveln brauchte, eine schweißtreibende aber sehr befriedigende Abwechslung. Doch die Viecher droppen ja alle nix außer so ein paar Krümeln? Dafür kann man fast jede Questbelohnung gebrauchen…und man munkelt, dass es wenige Itemdrops gibt, um das Crafting aufzuwerten: Drops und ich kriegen glänzende Augen.

“Höh, Diplomatie ist doch, wenn ich mein “/spit”-Makro drücke?”

Ja, fast. Diplomatie bei V:SoH ist ein im Spiel integriertes Sammelkartenspiel und gilt als eine der drei Spielsphären, in denen man unabhängig voneinander levelt (Adventuring / Crafting / Diplomatie). Man kann ganz ohne Diplomatie auskommen, jedoch benötigt jede Gilde auch gute Diplomaten, um an bezahlbare Grundstücke für das Gildenhaus oder Zugang zu bestimmten Dungeons zu gelangen. Doch der kleine Tiggo wusste von solch großartigen Dingen noch nicht viel, er hatte nur Spaß an der Dialogform des Kartenspiels: So konnte ich einen lokalen Häuptling davon überzeugen, Unterstützung an die Front zu schicken, indem ich die Diplomatiepartie gegen ihn “gewann”. Jede eingesetzte Karte löst einen Gesprächsbeitrag aus, so dass sich in jeder Diplomatpartie ein seitenlanger Dialog entspinnt, der einem die unglaubliche Tiefe dieser Welt nahebringt, da man viel über Kultur, Motivation und Hintergrund der Person und seiner Rasse erfährt. Für Menschen wie mich, die gerne möglichst viel über die Hintergrundgeschichte erfahren, ein absoluter Traum. Für Menschen, die schon mit dem Lesen von Questtexten oder überhaupt mit dem Lesen und Schreiben Schwierigkeiten haben (Wer sich auch in den öffentlichen Channels aber auch im /g, /raid und /p regelmäßig verbal vergewaltigt fühlt und dem sabbernden Wahnsinn täglich näher rückt durch offen zur Schau gestelltes Analphabetentum, Ignoranz und absolut nie vorhandene Bereitschaft, mal für fünf Kupfer selbst nachzudenken…der weiß, wen und was ich meine.), natürlich ein Albtraum.

“Und so geht es weiter”

Informationen über die Orte “Craftingheim”, “Bughausen”, “crash-to-desktop-city” und “der-Funke-springt-nicht-über-burg” folgen in Kürze. Verpassen Sie also nicht Teil 2 dess atemberaubenden Berichts “Vanguard: Saga of Heroes – Crash im Käfertal”. Darin: Der Auftritt des Orkschamanen Wortak Windfuror, der muskulösesten Näherin aller Zeiten und die Erklärung, warum zwei Goblins den Regenwald abgeholzt haben, um Möbel herzustellen.


Jun 21 2007

Ocean’s 13

Tag: Film, Funk & FernsehenChris @ 12:03


Samstag Abend habe ich es dann doch mal wieder ins Kino geschafft. Und da man um “Cliff Richard” (Codename der Ocean-Serie) trotz der Zweifel an guten Fortsetzungen und der Kritik an Ocean’s 12 ja doch nicht drumrum kommt, haben wir es einfach schnell hinter uns gebracht. Also worum gehts?

Ganz einfach: Mal wieder ein Casino ausrauben. Diesmal aus moralischen Gründen in Form von legitimer Rache/Revanche am Besitzer, der ein Mitglied der Gang aufs Kreuz gelegt hat: Willie Bank (ein ungewohnt aber passend sonnenbankgebräunter und arrogant-fieser Al Pacino) zockt den guten alten Reuben Tishkoff (Elliott Gould) per mehr oder minder gewalttätigen Drucks richtig ab und übernimmt das gemeinsam geplante Super-Duper-Casino-Hotel als alleiniger Besitzer. Reuben erleidet daraufhin eine Art Herzinfarkt mit Folgekoma und der Arzt empfiehlt den herbeieilenden alten Gaunergefährten, dass er ein Ziel brauche, an dem er sich festhalten könne. Was fällt Danny Ocean und Co. da zuerst ein? Natürlich Reubens Anteile von Bank zurückzugaunern respektive dem Sonnenbraunkönig anderweitig übel in die Suppe zu spucken, um Reuben aufzuheitern. Dazu ein wenig Geschwafel der sich ändernden Welt in Las Vegas, Ehre unter Gaunern (“er hat Frank Sinatra die Hand geschüttelt…”) und fertig sind zwei Stunden Filmmotivation. Und ja, das hat dann auch so seine Längen in einigen Momenten.

Dennoch: Der dritte Ocean gefiel mir wieder deutlich besser als Ocean’s Twelve, da er die Schwächen des zweiten Films vermeidet (Julia Roberts stundenlang als sie selbst…*gähn*) und sich auf den Coup selbst konzentriert. Leider verzichtet er aber auch auf die (europäischen) Stärken vom “Twelve” und kommt als rein amerikanischer Film aber eben nicht an den ersten heran. Zu kritteln gibt es also genug: Ellen Barkins Rolle entspricht leider nicht ihren Möglichkeiten, der Film hat so seine Längen, wenn zum hundertsten Mal das ominöse neue Hotel überflogen wird und Vincent “Nachtfuchs” Cassel wird wie Barkin unter Wert verheizt, um ein paar französische Kommentare abzugeben, die niemand braucht. Dazu wird die “Deus-ex-machina”-Rolle von Linus Caldwells (Matt Damon) Eltern ein wenig überstrapaziert; diesmal vom werten Herrn Papa. Dazu kommt, dass die Handlung recht linear verläuft und es diesmal keine “Pläne in Plänen in Plänen” (Hallo Patrick!) gab, die zum Grübeln einluden, ob das nun geplant, Improvisation oder völlig schief gegangen ist.

Doch überwiegen für mich die Highlights und hübschen Details, die den Film dann doch wieder zu etwas Besonderem machen: Letztlich geht es hier ja nur darum, coole und gutaussehende Männer in coolen Posen mit coolen Sprüchen auf den Lippen und in coolen und teuren Anzügen zu zeigen. Und das gelingt ja mal wieder famos in vielen Szenen. Meine persönlichen Höhepunkte:

  • Rusty Ryan (Brad Pitt) als Seismologe/Erdbebenforscher, genial (siehe Foto unten).
  • Die Malloy-Brüder (Casey Affleck und Scott Caan) in Mexiko, wo sie beim Versuch, die Casinowürfel schon in der Plastikfabrik zu manipulieren einen Arbeiteraufstand mit revolutionären Zügen (“Danny? Ich muss Schluss machen, wir stürmen grad das Gelände…Viva Zapata!”) anzetteln angesichts der desaströsen Arbeitsverhältnisse vor Ort für die mexikanischen Arbeiter.
  • David Paymer als V.U.P. (very unimportant person) und aufs Mitleiderregenste von der Gang malträtierter Hoteltester.
  • Danny Ocean (George Clooney) und Rusty Ryan (Brad Pitt) parlieren in Halbsätzen über das schwierige Zusammenleben mit Frauen


Jun 21 2007

Willkommen zurück: “Die laufenden Meter”? Irgendwie, schon, ja, nein…

Tag: Allgemein,MMOG, GamingChris @ 11:19

Liebe Leser,

hier ist die Domain wieder, die lange ungenutzt ein Schattendasein auf meinem Webspace fristete, da “Die laufenden Meter” zusammen mit “Artifex Mortificare” ins Elysion mündeten und  somit obsolet wurden.

Doch da ich dem Zockergott “World of Warcraft” nie wieder momentan keine monatlichen Opfer mehr darbringe und meine Charaktere gelöscht habe (Ach, Conina…es waren zwei schöne Jahre), wurde ich mehrfach darauf angesprochen, dass man doch meine Beiträge im Blackmoore-Realmforum vermisst. Offensichtlich haben einigen wenigen Menschen meine glossenartigen Kommentare zum MMOG-Geschehen gefallen: Das ehrt mich und ich danke an dieser Stelle meinen Fanbois treuen Lesern. Und da sich diese Anfragen gut mit meiner eingebildeten realistischen Selbsteinschätzung vorhandener Schreibkünste decken, sehe ich diesen Blog hier als Kompromiss, um meine Profilneurose Schreibwut aktiv selbst zu behandeln. Gleichzeitig dient dies als weiterer Versuch, die Spielsucht in geregelte Bahnen zu lenken, um nicht doch wieder in Versuchung zu geraten. Man hört ja von Leuten, die ihren WoW-Account nur zum Forenspam zur fruchtbaren Diskussion im Forum aktiv erhalten, dann doch lieber mit eigener Seite bloggen und die Flames selbst zensieren diskutieren dürfen! Empfehlenswert in diesem Zusammenhang übrigens auch das “Wasserpartikel”-Mantra, das ich zu einem späteren Zeitpunkt erklären werde.

Und da ich immer noch hin und wieder im Elektronikfachgeschäft meines Vertrauens vor GameTimeCards und WoW-Originalen stehe mit dem Gedanken “Es wäre ja doch wieder ganz lustig, den Leuten Gesellschaft zu leisten”, scheint diese Therapie hier stark vonnöten! Ich wünsche mir also viel Spaß und hoffe nicht zuletzt auf professionellen “Sköllspam” in den Kommentaren.

Hochachtungsvoll
Chris fka Conina Pfirsich