Sep 25
“Mario wird den Unterschied machen!”
Das große Interview mit Chris Grand Crú über teure Transferflops, die Dominanz in der Liga und Umstellungen auch in Zeiten des Erfolgs.
DLM: Herr Grand Crú, über 60 Punkte Vorsprung in der Liga, bester Saisonstart der WHFL-Geschichte, im Pokal klar auf Champions-League-Kurs. Stimmen Sie mir zu, dass der AS Chablis hervorragend dasteht.
Grand Crú: Sicher, der Start war glänzend. Aber die letzten beiden Spieltage haben die Verhältnisse doch wieder etwas zurechtgerückt.
DLM: Bitte? Aber der Vorsprung ist doch konstant geblieben trotz schwächerer Spieltage.
Grand Crú: Der Eindruck täuscht, die Konkurrenz ist nur noch näher zusammengerückt bei der Verfolgung. Einfacher wird es dadurch nicht. Und im Pokal sind wir über den ersten dicken Brocken, Eintracht Ruetz, auch prompt gestolpert. Wir sind keine Übermannschaft, alle Experten haben uns ja vor der Saison auch ein schweres Jahr prophezeit. Nicht zuletzt aufgrund des unterdurchschnittlichen Spielerdrafts zum Saisonstart.
DLM: Inzwischen sind diese Experten vermutlich etwas anderer Ansicht. Der ASC hat 14 Tore in sechs Spielen erzielt!
Grand Crú: Ja, die Offensive macht uns im Moment viel Freude. Auch dass nicht alle Last auf Stefan ruht, das hat ihn letzte Saison überfordert, stimmt mich froh.
DLM: Dennoch haben Sie nun für über 11,5 Mio. € Mario Gomez verpflichtet und mussten dafür drei Spieler abgeben. Die richtige Entscheidung, den traditionell breiten Kader des ASC zugunsten eines Stars aufzugeben? Eines Stars, der nicht in Topform ist!
Grand Crú: In Topform wäre er entweder unbezahlbar oder die Konkurrez hätte mitgeboten. Und mit Sebastian Kehl ging ein Spieler, der viel für Chablis geleistet hat; in der vergangenen Saison. Solch ein Abschied ist immer bitter, aber wir befinden uns hier im Berufsfußball und für den Erfolg müssen auch harte Entscheidungen getroffen werden. Wir haben Sebastian letztes Jahr den Rücken gestärkt als er lange verletzt war und dies diese Saison so lange wie möglich wiederholt. Es ist ja womöglich kein Abschied für immer.
DLM: Kehl beiseite: Mit Joel Epallé und Ioannis Amanatidis gingen 33 im Austausch gegen elf Punkte eines Mario Gomez.
Grand Crú: Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir wollten unser Team noch verjüngen, am liebsten mit deutschen Nationalspielern. Und den Zeitpunkt kann man sich nunmal nicht aussuchen, an dem ein Mario Gomez auf den Markt kommt. Der Transfer ist insofern auch ein Vorgriff auf die nächste Saison. Spätestens dann wird Mario den Unterschied machen. Das haben wir ja letzte Saison leidvoll erfahren müssen, als wir die Meisterschaft aufgrund unseres Angriffs am letzten Spieltag verspielten.
DLM: Mit über 60 Punkten Vorsprung in dieser Saison wollen Sie also erst nächstes Jahr Meister werden?
Grand Crú: (lacht) Der geschätzte Kollege aus Maitailand, Pete Barhocker, hat mich mal zum Meister der Tiefstapelei erklärt. Nun, natürlich wollen wir auch dieses Jahr so lange wie möglich oben bleiben und haben die beste Ausgangsposition. Diese gilt es zu nutzen und den Vorsprung Spieltag für Spieltag zu verteidigen. Aber nach zwei sehr erfolgreichen Saisons wollten wir eine Verjüngung und einen Umbruch. Sowas geht nicht in sechs Spieltagen.
DLM: Ein teurer Umbruch. Sie gaben für verletzte Spieler wie Baljak, Jones und Helmes fast 13 Mio. € aus, ohne dass diese auch nur einen Punkt beigesteuert hätten. Das ist mehr als ein Gomez!
Grand Crú: Dass Srdan nebenbei an seinem Traum vom Tour-de-France-Sieg arbeitet und dabei vom Rad fällt, war uns bei Verpflichtung nicht bekannt. Die beiden anderen werden wiederkommen, wobei Jermaine natürlich dem bei Verpflichtung prognostizierten Zeitplan zwei Monate hinterherhinkt.
DLM: Dazu kommt, dass abgegebene Spieler wie Pitroipa, Elson und Idrissou sich als erstaunlich treffsicher bei ihren neuen Vereinen erwiesen haben. Die Transferpolitik des ASC wirkt dieses Jahr sehr unglücklich.
Grand Crú: Der Tausch von Pitroipa gegen Bruggink hat sich in der Tat bisher nicht ausgezahlt. Von Arnold muss mehr kommen, für Chablis reicht diese Leistung noch nicht, um dauerhaft glücklich zu werden. Elson hat immer ein Sensationsspiel pro Jahr, darauf kann kein Verein warten. Idrissou wurde verkauft, um Helmes zu finanzieren, da wir glauben, dass Patrick noch mehr Punkte holen wird als Idrissou bei Maitailand. Und vergessen Sie André Schürrle nicht!
DLM: Man könnte sagen: Auch ein blindes Huhn, findet mal ein Korn.
Grand Crú: Das werden wir wohl frühestens am Ende der Saison vernünftig bewerten können. Wir hatten jedenfalls nicht das Gefühl, in der letzten Hinrunde mit unserer Politik der ruhigen Hand besonders gut gefahren zu sein und wollten nach – auch für uns überraschend – gutem Saisonstart neue Reizpunkte setzen. Wir werden ja nicht schwächer, wenn Jones und Helmes zurückkommen.
DLM: Apropos schwach: Die Defensive schwächelt im Vergleich zur Offensive.
Grand Crú: Diegos rote Karte kostet uns 15-20 Punkte, ja. Offensichtlich wird uns jedes Jahr irgendein Diego vom Platz gestellt, daran haben wir uns gewöhnt. Heiko ist natürlich noch nicht in der Verfassung der letzten Saison. Allerdings führt er auch eine komplett neue Defensive mit teils sehr jungen Spielern. Das Zusammenspiel mit Naldo und Mathijsen letztes Jahr kann dafür kein Maßstab sein, das war die beste Abwehr, die je in der WHFL zusammengespielt hat. Aber wir sind mit den Leistungen von Dennis, Christian und Andreas vollauf zufrieden.
DLM: Zufrieden können Sie auch mit Stefan Kießling und Nuri Sahin sein.
Grand Crú: Auch wenn ich aus ästhetischen Gründen froh bin, dass der Nowitzki-Gedächtnis-Flaum nun ab ist: Stefan spielt eine überragende Runde bisher. Wir hoffen, dass er diese Form länger als in der letzten Saison halten kann. So einen Einbruch möchte ich kein zweites Mal erleben müssen. Nuri spielt das, was er kann: Schnelligkeit, Torgefahr, gutes Auge und Passgenauigkeit machen ihn jetzt schon zu einem außergewöhnlichen Mittefeldspieler. Das Tor wird ihm sicher noch einen Schub geben, um sein Top-Form zu erreichen. An Nuri werden wir noch viel Freude in den kommenden Jahren haben, wenn er weiter so hart an sich arbeitet.
DLM: Herr Grand Crú, vielen Dank für das Gespräch.


Juli 21st, 2010 at 16:54
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