Mai 25 2008
Kopflose Eindrücke
Bei Mitra!
Antonius ist im zweistelligen Stufenbereich angekommen und hat jetzt eine Handvoll wirklich netter Skills. Mein Liebling ist der AoE-Knockback (Screenshots werden nachgereicht), bei dem alle umstehenden Gegner zwei Meter zurückgeschleudert werden, unsanft – aber butterweich animiert – auf den Rücken fallen und sich mühsam wieder aufrappeln während ich sie mit der Lanze Mitras beharke.
Ich bin sehr zufrieden mit AoC, weil es ganz gut bei mir läuft und fantastisch aussieht und ich gerne Rollenspiele spiele, die eine umfangreiche Geschichte erzählen wollen. Und Age of Conan gibt sich (bisher = Level 12) große Mühe, das übliche Questdesign (töte X, sammle Y) mit interessanten NPCs und Geschichten zu verbinden. Bei mir ist der Funke jedenfalls übergesprungen. Dennoch werde ich versuchen, der Sucht nur dosiert nachzugehen. Dauerzocken sorgt nur für “Überspieltheit” wie nach der Veröffentlichung von Burning Crusade.
Age of Conan hat aber definitiv noch Bugs und Lokalisierungsfehler und einige Sachen wie das Interface und der äußerst umständliche Chat sind noch verbesserungswürdig. Dazu kommen anscheinend massive Latenzprobleme für viele T-Online-Kunden (Netcologne bei mir Latenz zwischen 20ms nachts und 120ms zur Prime Time, perfekt für einen MMO-Release!), aber T-Onliner wohl Lagspitzen bis 10.000ms.
Dann das große böse Wort: Instanzierung. Ja, die Welt ist vielfach instanziert bzw. in Zonen aufgeteilt. Mich stört das nicht, wenn ich mich nicht mit zehn Mann um Hogger drumrumstellen muss und so gut wie keine Spawnwartezeit bei Questmobs habe, da das Spiel ein Gebiet ab einer gewissen Spielerzahl einfach kopiert für Neuankömmlinge. Andere – ambitionierte Ganker- und Griefergilden – mag das stören, sicher.
Woher also das subjektiv viele Gejammer in den Foren? Viel basiert auf der Hardware. Es ist bekannt, dass das Spiel hungrig ist, das war nie ein Geheimnis. Vielleicht wurde – branchenüblich – bei den Mindestanforderungen geschummelt…aber wer alles auf Spieleverpackungen glaubt, der glaubt auch TV-Werbung, bei der man mit “einem Wisch” ganze Industrieküchen wieder fabrikneu putzen kann. Viel basiert auf fehlendem Content für den Bereich um Level 50 und das Endgame. Ganz polemisch kann man fragen, wieso die Leute zwei Tage nach Release schon Content für Level 50 brauchen und ob da mit dem Content neben ihrem Hobby etwas nicht stimmt. Andererseits kann ja jeder spielen wie er will…und es sollte bis Level 80 Spielinhalt vorhanden sein. Endgame verlange ich gar nicht; bei World of Warcraft gab es auch nur die Obere Blackrockspitze als Top-Endgame bei Release. Weiteres Gejammer erwartungsgemäß von den PvP-Servern. Von “Schlachthaus” und “Massaker” ist da die Rede. Für WoW-Spieler sind die FFA-Server natürlich eine arge Umgewöhnung. Dennoch war das vorher bekannt und eine Bestätigung, warum ich auf Mitra (PvE) spielen wollte.
Erwartungshaltung = Spielrealität = Zufriedenheit
Erwartungshaltung > Spielrealität = Unzufriedenheit
Die Diskrepanz zwischen Erwartungshaltung und Sein bestimmt das Bewußtsein.
Dass Funcom wie alle MMOG-Verkäufer Dinge verspricht und bewirbt, die nicht stimmen, nicht fertig sind, teils nie fertig sein werden (Hallo Housing@WoW) und der Content fürs Powerleveln nicht ausreicht…das ist jetzt keine Überraschung. Man kann die Servicewüste MMOG beklagen – und sicher zu recht. Man kann sie boykottieren, letztlich das einzig konsequente Mittel oder man nimmt sie hin, weil man ohne den “Stoff” nicht auskommen möchte. Du bist die Entscheidung!
Age of Conan ist definitiv nicht das Spiel geworden, das plötzlich aus tausendfach getrunkenem Wasser Wein zu machen imstande ist. Dennoch ist Age of Conan hervorragende Unterhaltung bislang und im Vergleich mit den 6,70€, die ich für die zwei Stunden “Indiana Jones 4″ hingeblättert habe auch vom Preis-/Leistungsverhältnis top. Und wenn ich es nicht wieder drei Jahre spiele, von denen ich ein Jahr gelangweilt um den Baum laufe oder Ruf oder Müll farme, dann bin ich deshalb niemandem böse. Es gibt genügend Computerspiele und mehr “Weg = Ziel” hatte ich mir sowieso vorgenommen, um nicht wieder in so eine Endlosschleife des Itemfarmens zu geraten wie bei World of Warcraft.
Zusätzlich kann man sagen, dass Funcom einen deutlich kürzeren Draht zur Community zu haben scheint als der Branchenprimus und ich angenehm überrascht bin davon, dass täglich Patches und Verbesserungen im Moment nachgereicht werden. Dazu kommt der für mich beste MMOG-Release, den ich persönlich miterleben durfte. Durchgängig erreichbare Server am ersten Tag, Latenzen im niedrigen zweistelligen Millisekundenbereich und auch mit einigen Charakteren auf einem Haufen kaum Lags.
Doch das beste sind einfach Kampfsystem und Kollisionsabfrage. Die taktischen Möglichkeiten für das Kleingruppenspiel (Sechsergruppen sind es bei Age of Conan) sind so unglaublich viel größer als ich es gewohnt bin, dass meine Vorfreude darauf riesig ist. Banales Beispiel: Die schwer gepanzerten Klassen können nun allein über Formation und Stellungsspiel die Heiler und Magier vor dem Zorn der Gegner beschützen: Sie werfen sich wortwörtlich einfach in den Weg. Was das an Realismus bringt, ist dem Spiel gar nicht hoch genug anzurechnen!

